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Der Stadt ist ein Erzengel erschienen

Der Stadt ist ein Erzengel erschienen

Restaurator Dmitrij Otto und OB Alexander Hetjes | © Jens Priedemuth/Stadt Bad Homburg

"Ein Sensationsfund"

Bad Homburg. Bei der Sanierung der ehemaligen Kapelle im Gustavsgarten ist den Arbeitern ein Erzengel erschienen. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde im Herbst 2020 in der Kapelle eine Putzintarsie entdeckt. Sie stellt den Erzengel Michael dar und gehört nach Auffassung von Dipl. Restaurator Matthias Steyer zu den ab 1950 unterstützten Projekten „Kunst am Bau“. In Abstimmung mit der städtischen Denkmalpflege und dem Landesamt für Denkmalpflege wurde entschieden, die Putzintarsie vollständig wiederherzustellen. Die geschätzten Kosten in Höhe von rund 35.000 Euro übernimmt zur Hälfte das Landesamt für Denkmalpflege. „Die Entdeckung der Putzintarsie war eine echte Überraschung, ein Sensationsfund. Vor allem, weil sich dahinter eine spannende Geschichte verbirgt“, freut sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes.

Vom Jagdhaus zur Kapelle

Der klassizistische Bau, der im Gustavsgarten gegenüber der von 1898 an errichteten Villa Wertheimber liegt, wird zurzeit saniert. Zuletzt als Kapelle genutzt handelt es sich bei dem Bau um das einzige erhaltene Ausstattungsstück des ehemals reich angelegten Prinzengartens, welches 1830 in Form eines dorischen Tempels möglicherweise von Georg Moller entworfen und als Gartengebäude und Jagdhaus für den Prinzen Gustav, Landgraf von Hessen-Homburg, errichtet wurde.
Work in progress | © Stadt Bad Homburg

Die Stadt übernimmt

Auf der Rückseite des Baus fand vermutlich in den 1950er Jahren eine kleine Erweiterung mit einer Sakristei statt, der den alten „Tempelbau“ zur Nutzung als Kapelle für den Verein Hirnverletztenheim nach 1948 ergänzte. Nach der Aufgabe der „Neurologischen Klinik“ fielen Gebäude und Garten über den Bund (2003/04) an die Stadt Bad Homburg (2011) zurück. In den vergangenen Jahrzehnten war an mehreren Stellen Feuchtigkeit eingedrungen und hatte das Gebäude (und vor allem auch das Gebälk des Dachstuhls) an mehreren Stellen schwer beschädigt.

Kapelle wird saniert

Bei der laufenden Sanierung wird im Gebäudeinneren behutsam der Zustand aus den 1950er Jahren wiederhergestellt, da hierzu auch die jeweils drei an den Längsseiten angeordneten Buntglasfenster gehören und insgesamt die Befunddichte für diesen Zeitraum am umfangreichsten ist. Der Anbau der ehemaligen Sakristei bleibt in diesem Kontext ebenfalls erhalten. Das Äußere des Gebäudes wird ebenfalls saniert und wird nach der Fertigstellung den gewohnten Anblick des ehemaligen klassizistischen Tempels mit den vier vorgelagerten, aus Mainsandstein gefertigten Säulen bieten. Die endgültige Fertigstellung der Gebäudesanierung ist für den Beginn des kommenden Jahres terminiert.

Der Zufall half mit

Im Zuge dieser Arbeiten ist man kürzlich auf die Putzintarsie gestoßen, die den Erzengel Michael zeigt. Bereits im Juni 2019 hatte die Stadt ein Gutachten zur Farbgestaltung des Innenraums der Kapelle in Auftrag gegeben. Um die für die 1950er Jahre verwendete Wandfarbe zu ermitteln wurde ein Stück der obersten Schicht der bisherigen Wandfarbe entfernt. Auf dem darunterliegenden Putz stieß man dabei eher zufällig auf Ausschnitte des Erzengels Michael. Daraufhin wurde das Büro Matthias Steyer, in Person der Restaurator Dmitrji Otto, mit der Wiederherstellung der Intarsie beauftragt. Die Fertigstellung des gesamten Wandbildes ist aufgrund seiner Größe erst im neuen Jahr möglich. „Bislang wurde etwa die Hälfte der Intarsie freigelegt und restauriert“, erklärt die Produktverantwortliche Pamela Weber-Tumm vom zuständigen Fachbereich „Gebäudemanagement“.
So sah es in der Kapelle in den 1950er Jahren aus | © Stadt Bad Homburg
Bei dem Künstler, der das Wandbild geschaffen hat, handelt es sich es sich um den Frankfurter Maler Reinhold Schön (1893-1974), der auch einen Kreuzweg in Öl für die Neurologische Klinik gemalt hat.
Die Signatur des Künstlers | © Jens Priedemuth/Stadt Bad Homburg

Der Orden der Grauen Schwestern

Das sogenannte Hirnverletztenheim wurde 1947 durch den Frankfurter Verein Hirnverletztenheim (1927 gegründet) eröffnet, der bereits in Frankfurt ein solches Heim betrieben hatte. Ziel der ursprünglichen Vereinsgründung war die Betreuung hirnverletzter und nervengeschädigter Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Zunächst wurden die Patienten von Ordensschwestern der Kongregation vom Heiligen Herzen Jesu gepflegt, die anfangs auch in Bad Homburg tätig waren, aber ihren Dienst 1948 beendeten. Bis 1977 lag die Pflege dann in den Händen des Ordens der Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth.
In den Jahren 1957 und 1958 wurde dann der Tempel instandgesetzt und die Sakristei samt einer Außentreppe zum Keller errichtet. Das Gebäude diente als Gebets- und Andachtsraum. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten wurde auch die Putzintarsie des Erzengels Michael durch den Künstler (Karl) Reinhold Schön geschaffen, der in der Region weitere Werke hinterlassen hat, die teilweise noch erhalten sind.

Das Rätsel gelöst

Den Frankfurter als Künstler der Putzintarsie des Heiligen Michael zu identifizieren, war eine echte Puzzlearbeit. Zunächst wurde beim Freilegung des Wandbilds die Malersignatur „R. Schön“ entdeckt. Für die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Astrid Krüger, lag schnell die Vermutung nahe, dass es sich dabei um den Frankfurter Dekorationsmaler Reinhold Schön handeln könnte. Eine Bestätigung ihrer These fand sie im benachbarten Oberursel. Denn zu Schön gibt es in der Materialsammlung des mittlerweile verstorbenen Oberurseler Heimatforschers Waldemar Kolb (langjähriger Herausgebers der Oberurseler Geschichtsblätter) mehrere Mappen mit Fotos und eine Unmenge an Informationen. Und in diesem Bestand, der dem Stadtarchiv zurzeit leihweise vorliegt, wurde Krüger tatsächlich fündig: Es fand sich ein Foto des Dorischen Tempels aus der Zeit als Michaelskapelle mit dem Putzfresko hinter dem Altar – garniert mit viel Material zu anderen Werken Reinhold Schöns. So wurde das Rätsel gelöst.
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